„Gut“ sieht sie aus, die Mosbacher Orgel …. aber nur aus der Ferne und sehr oberflächlich betrachtet.

Äußerlich kaum verändert steht seit 86 Jahren das gelungene, symmetrisch gestaltete Instrument auf der von buntem Fensterglas beleuchteten und großzügig wirkenden Empore.

Historische Pfeifenorgel der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in ziemlich desolatem Zustand

Wer an einem sonntäglichen Gottesdienst oder sogar an einem Festgottesdienst teilnimmt, und dann noch versierte Könner an der Mosbacher Orgel spielen, der erkennt kaum, dass im Inneren der Orgel vieles nicht stimmt, ja zum Teil gar nicht funktioniert.
Die Anschlagsgenauigkeit beider Manuale (Tastaturen) ist derzeit sehr ungenau. Manche Töne reagieren sehr langsam, andere zu schnell und bringen den Organisten „ins Schwitzen“. Ursache hierfür ist aber nicht das ungenaue Spielen des Organisten, sondern unterschiedlich verschlissene Komponenten der pneumatischen Traktur, unter anderem versteifte oder undichte Lederteile. Als Traktur bezeichnet man bei einer Orgel das Übertragungssystem von den Betätigungselementen des Spieltischs am einen Ende zum Ventilsystem in der Windlade zur Steuerung des Winds für die Pfeifen am anderen Ende.

Kurzum: Die 86 Jahre alte Orgel in der katholischen Mosbacher Pfarrkirche ist in die Jahre gekommen und in einem schlechten Zustand.

Das Instrument wurde zwar regelmäßig gewartet. Dabei wurden im Lauf der Jahre auch immer wieder kleinere Fehler behoben, die sich in den letzten Jahren aber häuften. Eine umfassende Renovierung hat die Orgel seit ihrer Erbauung im Jahr 1930 nicht erfahren. Die durchgeführten Erhaltungsmaßnahmen beschränkten sich auf Reinigungen und den Austausch einzelner Membranen.

Der Orgelsachverständige des Bistums Mainz, Krystian Skoczowski, hat in seinem ersten Zustandsbericht folgendes ausgeführt:
„Die Christian-Gerhard-Orgel in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Mosbach bedarf einer Renovierung. Neben der dringend notwendigen Ausreinigung sind auch zahlreiche Komponenten der technischen Anlage stark überholungsbedürftig. Neben den Erhaltungsmaßnahmen, die zur Sicherung der Funktion der Orgel notwendig sind, sollten die Beseitigung einiger Provisorien und Verbesserungen im klanglichen Bereich erwogen werden.“

Die Orgel hat Denkmalwert

Laut Orgelsachverständigen: Die Orgel der Pfarrkirche in Mosbach von der Orgelbauanstalt Christian Gerhardt aus Boppard ist ein hochwertiges Zeugnis des Orgelbaus der Zwischenkriegszeit. Sowohl das klangliche als auch das technische Konzept der Orgel entsprechen dem Ideal der spätromantischen Epoche. Die pneumatische Traktur ist technologisch ausgereift und auf hohem handwerklichem Niveau ausgeführt. Daher kann die Orgel als Denkmal angesehen werden, und es wären für die Rekonstruktion Fördermittel aus entsprechenden Quellen erreichbar. Sie stellt also auch einen besonderen Wert dar.

Was muss also das Ziel sein?

Grundlage und Ziel ist die umfassende Restaurierung und Rekonstruktion der Gerhardt-Orgel aus dem Jahre 1930 mit 16 Registern, um so ein historisch wertvolles Orgelwerk und interessantes Klangdenkmal (wieder) zu erhalten.

Das Instrument verharrt und wartet seit langem auf die Wiederbelebung all seiner schönen Stimmen und seiner technischen Raffinessen. Der Anteil an originalem Bestand ist sehr hoch. Die handwerkliche Wertigkeit der Ursubstanz, reicht fast an die Qualität aus der Blütezeit des romantischen deutschen Orgelbaus um die Jahre 1900.

Ein gutachtender Orgelbauer schreibt: „Obwohl viele Details momentan nicht schön aussehen weil sie einen verschmutzten und verwahrlosten Eindruck hinterlassen, überwiegt bei meiner Besichtigung, ganz allgemein, der positive Eindruck (und jedes Mal wenn wir die Wartung an dieser Orgel vornehmen, bedauern wir das brach liegende klangliche Potential sehr). Es ist eine Wonne diese charakterstarken Stimmen zu hören, die für eine so kleine Orgel sicher etwas Besonderes darstellen.“

Sinnvolle und qualitativ hochwertige Restaurierung hat einen hohen Preis

Der Orgelsachverständige des Bistums Skoczowski ist begeistert von der Orgel, ihrer prinzipiell vorhandenen und potenziellen Klangfülle und Klangfarbe, dem architektonischen Gesamtkonzept (Prospektgestaltung und -Aufteilung, Zusammenspiel mit dem Licht und dem rückwärtigen Fenster) und spricht von einem überaus wertvollen Denkmal, für das die Gemeinde im Sinne der damaligen Auftraggeber (nämlich unserer Vorfahren) nicht nur dankbar sein muss, sondern seinerzeit eine Verpflichtung übernommen hat, indem sie nun auch heute für dessen Erhalt und die Pflege sorgt.

Die Orgel ist nicht nur als Musikinstrument, sondern als Teil der ganzen Kirche zu sehen.

Dies wird eine Herausforderung für die ganze Gemeinde mit allen Kulturträgern, allen Verantwortlichen und jedem von uns sein.
Gute Ideen zur Finanzierung müssen gefunden werden: Spenden, Feste, Zuschüsse, evtl. Bildung eines Orgel(bau)vereins und vieles mehr.

Durch Rückbau des Instrumentes in den Ursprungszustand von 1930 erhalten wir in Mosbach ein Instrument von überregionaler Bedeutung, für das die Kirchenmusiker sicher von weit her anreisen würden. In Konzertreihen des Bistums bzw. in der Region könnte sich Mosbach dann einklinken.

In der Kirche steht ein wertvolles Kulturgut und Denkmal, das „wiederbelebt“ werden muss