An diesen Anblick werden wir uns noch eine längere Zeit gewöhnen müssen. Was auf der Empore der St. Johannes Baptist Pfarrkirche fehlt, ist die Orgel.  Die Orgelpfeifen und der größte Teil der Innereien der Orgel sind in Linsengericht in der Werkstatt des Orgelbauers Andreas Schmidt. Aber es geht weiter mit der Restaurierung, dazu helfen die großzügigen Spendenbeträge der Sparkassenstiftung und der Denkmalpflege Hessen.

Ein großer, freudvoller Tag für die Verantwortlichen der Orgelsanierung

Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) haben gemeinsam einen zweckgebundenen Zuschuss für die Restaurierung der Orgel in der Katholischen Kirche St. Johannes Schaafheim-Mosbach bewilligt. Die Zusage ist Teil eines gemeinsam von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem LfDH aufgelegten Restaurierungsprogrammes.
Insgesamt neun Orgeln wurden in diesem Jahr unter maßgeblicher Beteiligung des Orgelsachverständigen des Landes, Dr. Bernhard Buchstab, sowie der zuständigen Fachleute der Bistümer bzw. Landeskirchen in das Förderprogramm aufgenommen.

Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und Landeskonservator Dr. Markus Harzenetter, Präsident des LfDH überreichten am 22. August 2018 die Bewilligungsbescheide.

Unsere Mosbacher Orgel war auch dabei beim Bezuschussungsreigen!

Am Mittwoch, 22. August, wurden in der Mosbacher Pfarrkirche die Spendenschecks von insgesamt 20.000 Euro an den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Willi Hehmann überreicht. In dieser kleinen feierlichen Übergabestunde freuten sich auch auf die Spende die Organisten Anne Wenzel und Alfons Schober, Mitglieder des Arbeitskreises Orgelsanierung (AKOR) und des Pfarrgemeinderates und Bürgermeister Reinhold Hehmann.

Die förderfähigen Kosten der Mosbacher Orgelsanierung belaufen sich auf 100 000 Euro. Davon gab es jetzt vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen und von der Sparkassenkulturstiftung jeweils einen Zuschuss von zehn Prozent, je 10.000 Euro, also insgesamt 20.000 Euro.

Begrüßung durch den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden

Willi Hehmann begrüßte als Vorsitzender des Gesamtgemeinderats der katholischen Kirchengemeinde die Gäste und Beteiligten der Orgelsanierung. Er zeigte noch einmal die Schwierigkeiten, die ihm die Organisten berichteten, auf und erläuterte das Gesamtprojekt. Die Einzelprobleme der beschädigten Orgel waren so groß, dass nur eine umfassende Überarbeitung des wertvollen Instruments möglich war. So gilt es, die gewaltige Summe von 160.000 Euro zu stemmen.

Erläuterung und Begründung der Fachleute

So heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen:

Die katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer ist im Kern eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Ordenskirche der einstmals in Mosbach ansässigen Johanniter-Kommende. Das ursprüngliche Langhaus wurde 1906 zugunsten eines quergelagerten Neubaus ersetzt, wobei der heutige Querarm den frühgotischen, zweigeschossigen Chorbau beinhaltet. Auch im Innern ist noch teils spätmittelalterliche Ausstattung vorhanden.

Die Orgel befindet sich auf der Westempore und rahmt mit ihrem zweiteiligen Freipfeifenprospekt eindrucksvoll das große, mittig angeordnete Spitzbogenfenster. Das Orgelwerk stammt aus der Firma Christian Gerhardt aus Boppard und wurde 1930 errichtet. Es besitzt 16 Register auf 2 Manualen und Pedal und wurde zeittypisch mit pneumatisch angesteuerten Kegelladen versehen. Zu unbekannter Zeit wurde die romantisch orientierte Disposition im Schwellwerk und im Pedal im Sinne einer Barockisierung verändert. Noch 1988 wurden weitere Veränderungen vorgenommen.

Die nun vorgesehenen Maßnahmen beinhalten neben einer Restaurierung aller Bauteile auch eine Rückführung des ursprünglich vorhandenen Schwellwerks. Hierzu gehört die Rekonstruktion der verloren gegangenen Register wie auch des Schwellwerksgehäuses.

Die Kosten der denkmalrelevanten Gewerke belaufen sich auf ca. 100.000,- Euro, so dass eine Förderung durch das Orgelprogramm mit insgesamt 20.000,- Euro die kleine Pfarrgemeinde Mosbach in der Erhaltung und Rückführung der wertvollen Orgel wirkungsvoll unterstützt.

Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Dr. Bernhard Buchstab, Orgelsachverständiger und Konservator im Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Krystian Skokczowski, Orgelsachverständiger des Bistums Mainz und Orgelbauer Andreas Schmidt waren sich einig, dass die wertvolle Mosbacher Orgel aus dem Jahre 1930 von den Orgelbauern Christian Gerhardt & Söhne aus Boppard wieder in Brillanz nach der Renovierung ertönen wird.

Kirchengemeinden können die Restaurierungen ihrer Orgeln kaum alleine stemmen

Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung sagt: „Die Sparkassen-Kulturstiftung und das Landesamt für Denkmalpflege verbindet seit vielen Jahren eine gemeinsame Leidenschaft für die Orgeldenkmalpflege. Oftmals können Kirchengemeinden die Restaurierungen ihrer Orgeln jedoch kaum alleine tragen. Daher ist es unser Ziel, hessenweit diese Restaurierungen zu fördern. Seit 2001 konnten wir auf diese Weise bereits über 100 bedeutende Orgelrestaurierungen unterstützen“.

„Orgeln sind in dreifacher Hinsicht Zeugnisse unseres historischen Erbes“ erläutert Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. „Sie gehören zum einen untrennbar zur Ausstattung unserer Kirchen, sind also bedeutende Kunstdenkmäler, die mit ihrem kunstvollen Gehäuse in engem Zusammenhang mit der Architektur einer Kirche zu sehen sind. Zum anderen sind sie aufwändige technische Denkmäler: Orgeln sind komplexe technische Meisterwerke, geprägt von hohem kunsthandwerklichen Können, deren materieller Erhalt heute im Fokus der denkmalpflegerischen Bemühungen steht. Vor allem aber sind sie Klangdenkmäler mit einer individuellen Klanggestalt, die Teil der immateriellen Denkmaleigenschaft der Orgel ist. Orgelmusik füllt und belebt unsere historischen Kirchenräume auf faszinierende und einmalige Weise. Besonders interessant ist dabei, dass wir anhand des Erscheinungsbildes einer Orgel, ihrer technischen Ausstattung und ihres Klangs Aussagen darüber machen können, aus welcher hessischen Orgelwerkstatt das Instrument stammt.

Anerkennendes Lob für die vielfältigen Aktionen des Arbeitskreises Orgelsanierung (AKOR)

Übereinstimmend lobten alle Fachleute die vielfältigen Aktionen, die bisher in Mosbach für die Orgelsanierung stattfanden – wie Benefizkonzert, Orgelkaffee, Musikalischer Frühschoppen und mehr – und die Spendenbereitschaft vieler Mitbürger.

Das im Jahr 2001 gestartete Programm ermöglicht es insbesondere Kirchengemeinden, Anträge auf Förderung zur Restaurierung ihrer Orgel zu stellen. Unter festen Vorgaben, die das Gesamtvolumen ebenso betreffen wie die zeitliche Überschaubarkeit der jeweiligen Restaurierungsmaßnahme, übernehmen Landesamt für Denkmalpflege Hessen und die Sparkassenstiftung je 10 % der Projektkosten, die eine erhebliche Eigenbeteiligung der Gemeinden voraussetzen.

Mit dem Förderprogramm ist eine Anerkennung der meist ehrenamtlich erbrachten Leistungen der Gemeindemitglieder verbunden.

Hier können wir nur DANKE sagen an alle Verantwortlichen und Förderern.

Alle Arbeiten an der Mosbacher Orgel in der Orgelbauanstalt Andreas Schmidt können Sie auf der Homepage der Firma zeitnah mitverfolgen:
www.orgelbau-schmidt.de/index.php/aktuelles/mosbach

Bitte zeigen auch Sie sich weiterhin spendabel!
Wir sagen DANKE

Karl-Heinz Daniel